Über Verhaltenstherapie
Veränderungsmotivation in der Psychotherapie
Da eine Verhaltenstherapie viel Einsatz der Betroffenen erfordert, ist es vor und während der Therapie wichtig, die Veränderungsmotivation des Patienten einzuschätzen und zu fördern. Zum Verständnis von Veränderungsmotivation bietet das TTM ein gutes Modell:
Das Transtheoretische Modell (TTM, „Transtheoretical Model“) ist ein Konzept zur Beschreibung, Erklärung, Vorhersage und Beeinflussung von intentionalen Verhaltensänderungen. Es wurde auf unterschiedliche Gesundheitsverhaltensweisen, z. B. Tabakrauchen, Alkoholkonsum, Ernährung, körperliche Bewegung/Sporttreiben adaptiert. Im Kern postuliert das Modell fünf Stadien der Verhaltensänderung ("Stages of Change"):
1.Im Absichtslosigkeitsstadium („Precontemplation“) haben Personen keine Absicht, ein problematisches Verhalten zu verändern.
2. Im Absichtsbildungsstadium („Contemplation“) haben Personen die Absicht, irgendwann das problematische Verhalten zu verändern
3. Im Vorbereitungsstadium („Preparation“) planen Personen konkret, demnächst ihr problematisches Verhalten zu ändern und unternehmen erste Schritte in Richtung einer Verhaltensänderung.
4. Im Handlungsstadium („Action“) vollziehen Personen eine Verhaltensänderung.
5. Im Aufrechterhaltungsstadium („Maintenance“) haben Personen seit einem längeren Zeitraum das problematische Verhalten aufgegeben.
Weiterhin beinhaltet das TTM Veränderungsprozesse („Processes of Change“), definiert als Aktivitäten und Ereignisse, die ein problematisches Verhalten und damit zusammenhängende Kognitionen und Emotionen beeinflussen und verändern. Die Veränderungsprozesse ermöglichen und fördern das Durchlaufen der Stadien der Änderungsbereitschaft, d. h. sie beschreiben, wie Personen von einem Stadium in das nächste fortschreiten.
Es wurden zehn Veränderungsprozesse identifiziert, die sich entlang zweier Dimensionen als auf das Erleben bezogene, kognitiv-affektive Prozesse („Cognitive-affective Processes“) und verhaltensorientierte Prozesse („Behavioral Processes“) kategorisieren lassen.
Die fünf kognitiv-affektiven Prozesse sind
„Steigern des Problembewusstseins“ („Consciousness Raising“),
„Emotionales Erleben“ („Dramatic Relief“),
„Neubewertung der persönlichen Umwelt“ („Environmental Reevaluation“),
„Selbstneubewertung“ („Self-Reevaluation“), und
„Wahrnehmen förderlicher Umweltbedingungen“ („Social Liberation“),
die fünf verhaltensorientierten Prozesse sind
„Gegenkonditionierung“ („Counterconditioning“),
„Kontrolle der Umwelt“ („Stimulus Control“),
„Nutzen hilfreicher Beziehungen“ („Helping Relationships“),
„(Selbst-) Verstärkung“ („Reinforcement Management“), und
„Selbstverpflichtung“ („Self-Liberation“).
In einer Psychotherapie ist es wichtig, diese typischen Stadien und Prozesse der Veränderung zu berücksichtigen, sowohl al PAtient als auch als Therapeut. Das Modell macht deutlich, dass Veränderung einen erheblichen Aufwand bedeutet und dementsprechend viel Zeit und Energie vom sich verändernden Menschen einkalkuliert werden muss. Veränderung ist nicht auf Anhieb zu erwarten, massvolles aber konsequentes Vorgehen ist daher wichtig.
nach http://de.wikipedia.org/wiki/Transtheoretisches_Modell