Psychische Gesundheit Psychische Störungen, Psychotherapie und Verhaltenstherapie

Methoden und Techniken

Habit Reversal Training

 

Das Habit Reversal Training (HRT) von Azrin & Nunn (1973) ist ein verhaltenstherapeutisches Verfahren zur Behandlung einer Vielzahl nervöser Verhaltensgewohnheiten. Es findet v. a. in der Therapie mit Kindern und Jugendlichen Anwendung.

Es wird angenommen, dass diese Verhaltensgewohnheiten dann zu Problemen werden, wenn sie Teil von Verhaltensketten sind, die teilweise unbewusst ablaufen und sozial toleriert werden. Durch die ständigen Wiederholungen werden die Verhaltensweisen aufrecht erhalten.

Das HRT beinhaltet das Erlernen adäquater Selbstwahrnehmung und Unterbrechung von Verhaltensketten durch konkurrierende Verhaltensweisen, Aufbau von Veränderungsmotivation sowie Maßnahmen zur Generalisierung der Fortschritte auf den Alltag.

Zuerst soll der Patient eine adäquate Selbstwahrnehmung entwickeln, da der Ausführung der Verhaltensgewohnheiten in der Regel keine Beachtung geschenkt wird. Die Beobachtung des eigenen Verhaltens dient sowohl dazu, die auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen bestimmen zu können als auch den Klienten für frühe Anzeichen der Verhaltensgewohnheiten zu sensibilisieren um Verhaltensketten möglichst frühzeitig unterbrechen zu können. Dies kann durch direkte Verhaltensbeobachtungen, systematische Protokollierung (z. B. in Form von Tagebüchern) oder auch Videoaufzeichnungen geschehen. Die Patienten sollen für gewöhnlich die Häufigkeit, die Dauer und die Rahmenbedingungen des Verhaltens aufzeichnen.

Im zweiten Schritt soll eine Veränderungsmotivation aufgebaut werden, da ambivalente Einstellungen oder Verschleierungsversuche des Problemverhaltens häufig auftreten. Dies geschieht vor allem durch das Durchsprechen der negativen Auswirkungen des Verhaltens und häufige Rückmeldung und Verstärkung von Fortschritten.

Die zentrale Komponente des HRT ist das Competing Response Training: Hier werden schließlich Verhaltensweisen eingeübt, die mit dem Problemverhalten inkompatibel sind. Welche Verhaltensweisen das sind, hängt vom Problemverhalten und dem sozialen Kontext ab. Bei Nägelkauen wäre eine inkompatible oder konkurrierende Verhaltensweise beispielsweise das Ballen der Hände zur Faust. Diese Verhaltensweisen werden erst im Therapiesetting eingeübt und sollen dann auf den Alltag übertragen werden. Fortschritte und Probleme werden in der Regel täglich besprochen werden, was auch telefonisch geschehen kann. Wichtig ist häufige Verstärkung, nicht nur des (schließlich) erwünschten Verhaltens sondern auch der Anstrengungen und Fortschritte auf dem Weg dorthin.

Anschließend sollen die Fortschritte auf viele verschiedene Situationen übertragen werden. Dies kann dadurch geschehen, dass der Therapeut den Patienten die Situationen, in denen das Problemverhalten verstärkt auftritt bewußt macht und der Patient die Anwendung der konkurrierenden Verhaltensweisen in der Vorstellung übt und anschließend auf die Realität überträgt.

Zu den Anwendungsbereichen des HRT zählen:

Nägelkauen
Trichotillomanie
Daumenlutschen
nervöses Zucken von Schultern, Kopf usw.
Fingerknacken
Stottern
Tourette-Syndrom

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Habit-Reversal-Training

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