Psychische Gesundheit Psychische Störungen, Psychotherapie und Verhaltenstherapie

Methoden und Techniken

Sensate Focus nach Masters und Johnson

 

Sensate Focus ist eine Methode zur Behandlung von Sexualstörungen. Dabei werden Schritt für Schritt jeweils sehr eingegrenzte (fokussierte) Maßnahmen zum Wahrnehmen und genießen des eigenen und des Körpers des PArtners druchgeführt. Der Koitus steht nicht im Fokus. Vielmehr herrscht ein Koitusverbot bis kurz vor Abschluss des Programms. Wie sieht nun das Vorgehen aus?

>>> Das Paar "massiert", das heißt zwei bis drei Wochen lang jeden Tag. Das hat sicher viele Vorteile. Die Paare konnten die Belastungen des Alltags von der Kinderbetreuung bis hin zum Stress bei der Arbeit einmal hinter sich lassen. Es finden ein- oder zweimal wöchentlich Sitzungen statt, insgesamt 20 bis 40. Die Übungen werden als "Hausaufgabe" druchgeführt.

Regeln und Übungen: Bei den beiden ersten Sitzungen der Paartherapie handelt es sich um Einzelgespräche, in denen eine ausführliche biografische Partnerschafts- und Sexualanamnese erhoben wird. In der dritten Sitzung werden dann die Ergebnisse dieser Gespräche gemeinsam erörtert, wobei der Therapeut oder das Therapeutenteam damit beginnt, im Sinn der genannten Grundannahmen eine andere Sicht der Probleme zu vermitteln. Am Ende der dritten Sitzung erhält das Paar die erste "Hausaufgabe": Die Partner sollen sich bis zur nächsten Sitzung zweimal eine halbe bis eine Stunde lang Zeit nehmen, um einander abwechselnd zu streicheln. Masters und Johnson nannten diese Übung "Sensate Focus". Im Verlauf der Behandlung werden dann von dem Paar nacheinander verschiedene Übungen absolviert, die hier nur kurzgenannt werden können:

- Sensate Focus I: Mit dieser bereits erwähnten Übung wird begonnen, wobei die Brüste und die Genitalien nicht gestreichelt werden sollen.
- Sensate Focus II: Jetzt dürfen auch die Brüste und die Genitalien gestreichelt werden, allerdings soll eine sexuelle Erregung weder intendiert noch erwartet werden.
- Erkundendes Streicheln: Bei diesem Sensate Focus werden die Genitalien des Partners mit den Augen und anschließend mit den Händen exploriert, um sich vertraut zu machen.
- Stimulierendes Streicheln: Jetzt streicheln die Partner einander, bis sich Erregung einstellt, lassen diese aber wieder abklingen, um sie erneut hervorzurufen. Nach mehrmaligem Aufkommen und Abklingen der Lust dürfen sich die Partner durch nichtkoitale Praktiken bis zum Orgasmus reizen.
- Einführen des Penis: Der Mann liegt auf dem Rücken, die Frau führt in der Hockstellung den Penis ein und legt sich dann auf den Mann. Ohne Koitusbewegungen verharren die Partner in dieser Position, bis die Erektion abgeklungen ist.
- Erkundender und stimulierender Koitus: In der zuletzt genannten Stellung erkundet die Frau, immer wieder von Pausen unterbrochen, welche Beckenbewegungen lustvoll sind. Der Mann "spiegelt" in späteren Übungen diese Bewegungen. Wie beim stimulierenden Streicheln exploriert das Paar das Auf und Ab der Erregung. Nach einigen Übungen darf es beim Koitus zum Orgasmus kommen.
- Koitus in verschiedenen Stellungen: Das Paar erkundet andere Koituspositionen und weitere Möglichkeiten der Stimulation.

Neben den gemeinsamen Übungen gibt es auch Einzelübungen, die der körperlichen Selbsterfahrung dienen sollen. Ist das Leitsymptom Vaginismus oder Ejaculatio praecox, kommen spezielle Übungen hinzu. Immer werden die Erfahrungen mit den Übungen in der darauf folgenden Therapiestunde im Detail besprochen. Alle Übungen werden mehrfach wiederholt. Erst wenn eine Übung von beiden Partnern angstfrei erlebt wurde, wird weitergegangen. Dabei ist eine neue Übung stets in die bereits bekannten und als angenehm erlebten Erkundungen eingebettet.

Aus der Sicht der Lerntheorie können die Patienten im Schutz der Regeln (z. B. zunächst Koitus-Verbot) notwendiges Lernen in kleinen Schritten nachholen, falsche und blockierende Vorstellungen abbauen, lustvolle Erfahrungen machen und Mut fassen. Durch den Aufbau der Therapie soll ein Teufelskreis, der so genannte Selbstverstärkungsmechanismus, durchbrochen werden. Er besteht darin, dass ein sexuelles Symptom, das vielleicht zunächst nur in einer bestimmten Situation, beispielsweise unter Alkoholeinfluss, aufgetreten ist, durch die nachfolgenden Erwartungsängste verfestigt wird.

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