Persönlichkeitsstörungen
Theorie der Persönlichkeitsstörung nach Rainer Sachse
Rainer Sachse geht von der Grundannahme aus, dass dysfunktionale Überzeugungen über Beziehungen, dysfunktionale Intentionen, die sich auf Interaktionen beziehen und daraus resultierende dysfunktionale Beziehungsgestaltung den Kern einer Persönlichkeitsstörung darstellen. Er spricht von doppelter Handlungsregulation, weil sich die Steuerung von Handlungen bei Menschen hauptsächlich auf der Ebene der Motive für zwischenmenschliche Handlungen ("echte" Motivebene) und der Ebene des konkreten Handelns ("Spielebene") bewegt.
Wichtige weiter Grundannahmen des Modells sind: "interaktionelles Verhalten ist intentional, es dient der Befriedigung von Bedürfnissen (interaktionellen Motiven) "
– grundlegende interaktionelle Motive (nicht unbedingt bewusst repräsentiert) sind:
• Bedürfnis nach Akzeptanz
• Bedürfnis, wichtig zu sein
• Bedürfnis nach verlässlicher Beziehung
• Bedürfnis nach solidarischer Beziehung
• Bedürfnis nach Autonomie
• Bedürfnis nach Unverletzlichkeit der eigenen Domäne
Diese Bedürfnisse werden normalerweise befriedigt durch "normale" oder authentische Handlungsregulation. dabei werden interaktionelle Ziele in transparente Handlungen umgesetzt.
PErsönlichkeitsgestörte Menschen verfolgen Ziele vorweigend auf der "Spielebene". Die Grundlage dafür bieten häufig dysfunktionale Schemata, welche sich aus wiederholten Erfahrungen der Verletzung zentraler
Bedürfnisse entwickeln. Dies sind dysfunktionale Beziehungserwartungen: z. B. Beziehungen (B.) sind nicht verlässlich, B. stören
nur, B. sind gefährlich, in B. wird man ausgebeutet, in B. wird man kontrolliert und ein dysfunktionales Selbstkonzept: ich bin nicht liebenswert, ich bin für andere
nicht akzeptabel, ich bin für andere nicht wertvoll.
Die Folge: Persönlichkeitsstörungen sind Interaktionsstörungen. Sie stellen einen Versuch dar, interaktionelle Ziele nicht durch authentisches sondern durch
manipulatives Verhalten zu erreichen. Die Motivation dieses Verhaltens ist unzureichend repräsentiert; die Person
empfindet ihr Interaktionsverhalten als zwingend, plausibel, ich-synton. Dadurch ergibt sich eine ungünstige Rückkopplung: Eine Stabilisierung dysfunktionaler Annahmen: "So wie ich bin, werde ich
nicht akzeptiert". Die Anstrengungen bringen hohe Kosten mit sich, gleichzeitig liegen Grundbedürfnisse brach, da sie
interaktionell nicht einforderbar sind.
So kommt es zur Verfolgung interaktioneller Ziele auf der Spielebene, z. B. Images (z.B. "Ich bin schwach und hilflos"), Appelle (positive: bestätige mich, solidarisiere dich; negative: halte Distanz) oder Komplexen Interaktionsspielen, wie Image-Spiele: Armes Schwein, Heroisches Armes Schwein, Opfer der Umstände, Immer-Ich, Mords-Molly, Regel-Setzer, Appell-Spiele: Verfügbarkeit, Solidarisieren, Dornröschen.
Die therapeutische Herangehensweise ist komplentäres Verhalten (komplementäre Beziehungsgestaltung) zu den Bedürfnissen auf der "normalen" Motivebene, dh. den natürlichen interaktionellen Bedürfnissen, die sich auch in Regeln und Plänen nierschlagen. Die Spielebene, die auf dem dysfunktionalen Selbstkonzept und den interaktionellen Annahmen beruht, soll dagegen nicht verstärkt werden.
Es gilt auch, die Verarbeitungskompetenz (richtiges Einschätzen von möglicher Zielerreichung in bestimmten Situationen) und Hanlungskompetenz für interaktionelle Motive zu fördern.
u.a. nach http://www.psychologie.uni-bonn.de/kap/cur/online/Klinische/Februar_09.pdf